Ungarische Botschaft in Wien

Botschaft von Ungarn in Wien, Österreich

Übersicht

Für Österreichreisende gehören Ungarn und die ungarische Hauptstadt Budapest längst zum engsten Nachbarraum: Wien und Budapest liegen 243 Straßenkilometer auseinander, der ÖBB Railjet verbindet beide Städte in zwei Stunden und 39 Minuten, und die gemeinsame habsburgische Geschichte von über 400 Jahren prägt die bilaterale Beziehung bis heute. Die Botschaft von Ungarn in Wien ist die wichtigste diplomatische Vertretung Ungarns in Österreich und sitzt in einem Palais der Bankgasse 4-6, wenige Schritte vom Österreichischen Parlament und vom Volkstheater entfernt — ein Gebäude, das Ungarn seit dem Zerfall der Doppelmonarchie nach dem Ersten Weltkrieg durchgehend nutzt. Außerordentliche und bevollmächtigte Botschafterin ist I.E. Edit Bátorfi (Szilágyiné Bátorfi Edit). Ungarn unterhält die Botschaft selbst an der Bankgasse und eine getrennte Konsularabteilung wenige Gehminuten entfernt in der Schenkenstraße 3; die Trennung ist typisch für stärker frequentierte Auslandsvertretungen und sorgt dafür, dass politische und wirtschaftliche Arbeit vom hohen Besucherandrang bei Pässen, Visa und Personenstandsangelegenheiten entkoppelt bleibt. Jenseits von Wien übernimmt das Generalkonsulat in Innsbruck Tirol, Salzburg und Vorarlberg; ein Netz aus sieben Honorarkonsulaten in Bregenz, Eisenstadt, Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz und Eugendorf ergänzt die Versorgung in den Bundesländern. Ungarn ist seit 2004 EU-Mitglied und seit 2007 Teil des Schengen-Raums, verwendet aber weiterhin den Ungarischen Forint (HUF) als Landeswährung — für österreichische Reisende eines der ersten praktischen Details.

Visumdienste

Schengen-Visumanträge von Staatsangehörigen visumspflichtiger Länder werden für Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Burgenland, Steiermark und Kärnten in der Konsularabteilung an der Schenkenstraße 3 bearbeitet; für Tirol, Salzburg und Vorarlberg ist das Generalkonsulat in Innsbruck zuständig. Zu den üblichen Unterlagen für ein Kurzaufenthaltsvisum zählen ein Reisepass, der mindestens drei Monate über das geplante Ausreisedatum aus dem Schengen-Raum hinaus gültig und innerhalb der letzten zehn Jahre ausgestellt ist, das vollständig ausgefüllte Antragsformular, biometrische Fotos, eine Reisekrankenversicherung mit Mindestdeckung von 30.000 Euro, Flug- und Unterkunftsnachweise sowie der Nachweis ausreichender finanzieller Mittel. Die Bearbeitungszeit für Schengen-Visa beträgt EU-weit in der Regel 15 Kalendertage, vor den großen Budapest-Wochenenden sollte man früher planen. Österreicherinnen und Österreicher brauchen als EU-Bürger kein Visum für Ungarn — der Personalausweis reicht sogar statt des Reisepasses.

Konsularische Dienste

Die Konsularabteilung der Botschaft befindet sich separat von der Kanzlei in der Schenkenstraße 3, 1010 Wien — zwei Gehminuten von der Bankgasse entfernt. Die Parteienverkehrszeiten sind Montag, Dienstag und Mittwoch von 08:30 bis 12:00 Uhr sowie Donnerstag von 13:00 bis 15:00 Uhr. Kontakt: +43 1 537 80 300, Fax +43 1 532 11 17, E-Mail info.wien@mfa.gov.hu. Die Abteilung erledigt ungarische Passanträge und -verlängerungen, Ausweisdokumente, Personenstandsurkunden (Geburten, Eheschließungen, Sterbefälle), Staatsbürgerschaftsanträge — einschließlich der vereinfachten Einbürgerung für Auslandsungarn, die gerade für die historische ungarische Volksgruppe im Burgenland eine Rolle spielt —, notarielle Amtshandlungen und Beglaubigungen, Wählerregistrierung für ungarische Wahlen sowie Hilfestellungen für in Not geratene ungarische Staatsangehörige in Österreich. Die zuständigen Konsuln sind Herr Mihály Gaal und Frau Dr. Edina Király. Außerhalb der Öffnungszeiten betreibt das Ungarische Außenministerium in Budapest eine konsularische Notrufzentrale unter +36 80 36 80 36 (innerhalb Ungarns gebührenfrei), zusätzlich über WhatsApp unter +36 30 36 111 und Viber unter +36 30 36 36 555, in ungarischer und englischer Sprache.

Handels- und Exportunterstützung

Österreich ist — nach Deutschland — einer der wichtigsten Quellenmärkte für Direktinvestitionen in Ungarn. Österreichische oder teilweise österreichische Unternehmen beschäftigen Zehntausende in Ungarn, quer durch die Branchen: Banken (Raiffeisen Bank International, Erste Group Bank), Versicherungen (UNIQA, Vienna Insurance Group), Energie (OMV), Bau (Strabag, Porr), Handel und Lebensmittel (Spar Österreich, Agrana), dazu die Automobilzulieferkette. Budapest und Wien stimmen sich bei Donau-Logistik, Schienengüterverkehr und grenzüberschreitender Infrastruktur eng ab. Österreichische KMU, die den ungarischen Markt prüfen, wenden sich in der Regel an die Wirtschaftsabteilung der Botschaft in Wien sowie an das AußenwirtschaftsCenter Budapest der Wirtschaftskammer Österreich (AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA).

Investitionsmöglichkeiten

Prioritäre ungarische Sektoren für österreichisches Kapital sind traditionell die Automobilfertigung und die dazugehörige Forschung und Entwicklung (BMW Debrecen, Audi Győr, Mercedes-Benz Kecskemét, das Bosch-F&E-Zentrum in Budapest), die Pharmaindustrie und die Biowissenschaften, die Elektronik und Halbleiter, die Nahrungsmittelverarbeitung, die Logistik entlang des Korridors Wien–Budapest sowie die Immobilienwirtschaft. Die ungarische Investitionsförderungsagentur HIPA koordiniert Förderpakete für strategische Investoren; die Botschaft steht in laufendem Austausch mit HIPA und mit der ungarischen Industrie- und Handelskammer (MKIK).

Kultur- und Bildungsprogramme

Wien ist historisch die zweite Hauptstadt des ungarischen Geisteslebens — von Franz Liszt und Ferenc Erkel im 19. Jahrhundert bis zu Sándor Márais Wiener Jahren in der Zwischenkriegszeit. Die Kulturabteilung der Botschaft trägt das Collegium Hungaricum Wien (das ungarische Kulturinstitut in der Hollandstraße), das ganzjährig Ausstellungen, Lesungen, Filmabende, Konzerte und Ungarisch-Sprachkurse veranstaltet. Mit dem Institut für Finno-Ugristik der Universität Wien — dem ältesten ununterbrochen bestehenden Lehrstuhl für Hungarologie im deutschsprachigen Raum — besteht ein dichter akademischer Austausch. Die Botschaft ist außerdem Anlaufstelle für Fragen zur anerkannten ungarischen Volksgruppe im Burgenland, zum zweisprachigen Schulwesen und zur grenzüberschreitenden Kulturarbeit zwischen Österreich und Westungarn.

Zuständigkeitsbereich

Die territoriale Zuständigkeit der Botschaft umfasst die gesamte Republik Österreich. In der Praxis betreut die Konsularabteilung in der Schenkenstraße Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Burgenland, Steiermark und Kärnten; Tirol, Salzburg und Vorarlberg laufen über das Generalkonsulat Innsbruck (Speckbacherstraße 31-33). Sieben Honorarkonsulate in Bregenz, Eisenstadt, Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz und Eugendorf bieten darüber hinaus eine wohnortnahe Erstanlaufstelle, reichen komplexere Fälle aber weiter — für Pässe, Visa und Personenstandsangelegenheiten ist stets entweder die Konsularabteilung in Wien oder das Generalkonsulat in Innsbruck zuständig.

Terminvereinbarung

Termine für die Konsularabteilung werden über das zentrale Online-System des ungarischen Außenministeriums unter konzinfoidopont.mfa.gov.hu gebucht. Für einfache Vorgänge wie Beglaubigungen oder erste Auskünfte sind Besuche während der Parteienverkehrszeiten auch ohne Voranmeldung möglich; Pass- und Ausweisanträge sollten immer vorgebucht werden. Die Kanzlei in der Bankgasse ist keine Publikumsstelle — wer konsularische Anliegen hat, geht direkt in die Schenkenstraße 3.

Besondere Hinweise

Das Burgenland war bis zum Staatsvertrag von Saint-Germain (1919) und dem Friedensvertrag von Trianon (1920) Teil des Königreichs Ungarn. Die heute noch im Burgenland anerkannte ungarische Volksgruppe — konzentriert vor allem um Oberwart/Felsőőr und Oberpullendorf/Felsőpulya — verfügt über eigene Kulturinstitutionen, zweisprachige Schulen und volle rechtliche Anerkennung als Volksgruppe. Die Botschaft ist die natürliche Anlaufstelle für Fragen rund um Minderheitenrechte, ungarischsprachige Bildung im Burgenland und die grenzüberschreitenden Gemeinden entlang der alten habsburgischen Binnengrenze. Auch die UNESCO-geschützte Kulturlandschaft Fertő/Neusiedler See, die beide Staaten sich teilen, ist ein festes Thema der laufenden Zusammenarbeit.